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Archiv 1999 - 2009

2003 - Neckar

 

Bericht von der Wanderfahrt 2003 auf dem Neckar

von Helmuth Vitt

 

Obwohl die Germanen, genauer gesagt die Männer des Germania Rudervereins Eutin bei ihren jährlichen Ruderwanderfahrten schon manchen Fluss und manches Revier im In- und Ausland erfahren hatten, war der Neckar bislang unbekanntes Gewässer geblieben. Niemand konnte im Nachhinein einen plausiblen Grund dafür angeben. Die diesjährige Fahrt in sechs Ruderetappen von Schillers Geburtsort Marbach nach Heidelberg hat uns jedenfalls eine Fülle überraschender Schönheiten dieser 135 Flusskilometer gezeigt.

Die Herrenmannschaft von 17 Ruderern mit drei Booten unter GRVE-Flagge und dem Kommando ihres Flottillenchefs Bernhard Klein war natürlich vorrangig zum Rudern aufgebrochen. Doch hatte die vorherige Bestellung eines Sonderbeauftragten für Kultur deutlich gemacht, dass die Reise auch weitergehenden Gesichtspunkten Rechnung tragen würde. Das Motto für uns lautete: Römer, Staufer und wir auf dem Neckar.

Wir wurden in keiner Hinsicht enttäuscht. Dem Himmel verdankten wir nicht nur strahlende Sonne sondern auch Tage mit schonender Bewölkung und nur einen halben Regentag, der uns einen zusätzlichen Aufenthalt in Bad Wimpfen bescherte. Es lohnt sich, diese Stadt mit ihren Mauern und Türmen aus Stauferzeit auf den Höhen oberhalb des Neckar zu erkunden. Diese Art der Stadtanlage mit engen verwinkelten Gassen sowie begehbaren Stadtmauern, die einen weiten Blick über das Flusstal und angrenzende Hänge bieten, findet sich in dieser Landschaft häufiger. Wo es zeitlich möglich war, haben wir diese Orte nach absolvierter Ruderetappe wie etwa in Besigheim oder Lauffen durchstreift. Aber auch der bloße Anblick vom Boot aus wie etwa auf Stadt und Burg Hirschhorn war beeindruckend. Solche Bilder fordern geradezu einen erneuten Besuch heraus.

Diesen Wunsch verstärkten die vom Neckar durchflossenen Landschaften, zunächst Weinberge bis etwa Heilbronn und später bis Heidelberg der Odenwald mit seiner Burgenkette oberhalb der Ufer des Flusses.

Häufig finden sich Zeugnisse aus Römerzeit, wie etwa in Walheim, wo uns eine Grabung durch Archäologen die Besichtigung eines jüngst freigelegten bedeutenden römischen Handelsplatzes ermöglichte. Für den Handel der Römer an diesem Platz hat der Weinbau eine wichtige Rolle gespielt. Die späteren Württemberger haben den Weinbau zum eigenen Nutzen fortgesetzt und zu vorzüglichen Qualitäten weiterentwickelt. Kein Wunder, dass uns insbesondere der Trollinger in seinen allabendlichen Bann schlug, ohne jedoch unseren morgens dann wieder erforderlichen Kräften irgendwie zuzusetzen. Der Ausgleich für unseren Kräftezehrenden Rudersport wurde im übrigen durch die reichhaltige einheimische Gastronomie gewährleistet, soweit nicht der tägliche wechselnde Landdienst schon für die notwendige Versorgung an Bord oder bei den Mittagspausen an den Ufern des Neckar gesorgt hatte.

Die Schiffbarkeit des Neckar ist mit der Anlage von Stauwehren, zugehörigen Kraftwerken und Schleusen im durchschnittlichen Abstand von etwa zehn Kilometern für die Berufsschiffahrt nachhaltig gefördert worden. Dank der vielen freundlichen Schleusenwärter, die uns in ihren Anlagen wie die Frachtkähne abwärts schleusten, blieb uns ein mühsames Umtragen der Ruderboote erspart.

Der Transportweg zu Wasser auf Rhein und Neckar hat ersichtlich auch zur Industrialisierung insbesondere in Heilbronn und Neckarsulm beigetragen. Dennoch finden sich in dieser industriellen Umgebung auch interessante Plätze. Im Deutschordensschloss von Neckarsulm haben wir uns die Chance zur Besichtigung musealer Verkehrstechnik nicht entgehen lassen. Hier ist im Deutschen Zweiradmuseum die faszinierende Geschichte dieser Fortbewegungsmittel von ihren Anfängen ohne Motor bis hin zu den modernsten Motorrädern anschaulich dargestellt. Manches Exponat zeigt überraschende Problemlösungen für die Anfänge dieser Technik.

Auch unser Rudersport hat in den letzten Jahrzehnten vom technischen Fortschritt am Neckar in erheblichem Umfang profitiert. In Eberbach haben wir die dort ansässige renommierte Bootswerft Empacher besichtigen können, die sich mit mehr als 100 Mitarbeitern ausschließlich mit der Entwicklung und dem handwerklichen Bau von Booten für den Rudersport beschäftigt. Der Einsatz stabilerer und dennoch gewichtsparender Materialien betrifft nicht nur Regattaboote. Breitensportler kommen ebenfalls in den Genuss leichteren und damit handlicheren Bootsmaterials. Was uns in Eberbach an neuen Booten für Ruderer in aller Welt gezeigt wurde, ließ unsere Herzen höher schlagen, zumal im eigenen Verein Ersatzbedarf für altersschwaches Sportgerät ansteht.

Abschluss und Höhepunkt unserer Reise war Heidelberg, wo unsere Boote nach der letzten und zugleich längsten Tagesetappe von 35 Flusskilometern durch den Odenwald wieder transportfähig gemacht und verladen wurden. Natürlich wurde dieser Stadt und ihrem Schloss ein besonderer zusätzlicher Tag unter kundiger und liebenswerter Führung gewidmet, bevor wir mit Sack und Pack die Heimreise an den großen Eutiner See angetreten haben.

Wir danken unseren Sponsoren

 


 
 
 
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